Die schwersten Sprachen für Deutschsprachige und wie du sie trotzdem lernst

Japanisch, Koreanisch, Mandarin, Kantonesisch und Arabisch stehen in der höchsten Schwierigkeitskategorie des Foreign Service Institute. Für englische Muttersprachler veranschlagt es 2.200 Unterrichtsstunden bis zur professionellen Beherrschung, fast dreimal so viel wie für Spanisch. Für Deutschsprachige sieht es nicht viel anders aus, denn auch wir haben mit diesen Sprachen weder Wortschatz noch Schrift gemeinsam. Trotzdem lernen jedes Jahr Tausende Menschen genau diese Sprachen, und viele erreichen ihre Ziele. Dieser Ratgeber erklärt, woher die Schwierigkeit kommt, warum schwer nicht unmöglich bedeutet und wie eine Lernstrategie aussieht, die bei einem Marathon statt einem Sprint funktioniert.
Was eine Sprache schwer macht
Schwierigkeit entsteht aus dem Abstand zwischen Mutter- und Zielsprache. Wir betrachten auf fliessend.net vier Bereiche: Schrift, Grammatik, Wortschatz und Aussprache. Bei den schwersten Sprachen kommen mehrere Hürden zusammen. Japanisch kombiniert drei Schriftsysteme mit Tausenden Kanji, eine Satzstellung mit dem Verb am Ende und komplexe Höflichkeitsformen. Mandarin hat eine schlanke Grammatik, aber Töne und eine Schrift, die jahrelanges Lernen verlangt. Arabisch bringt eine Konsonantenschrift, eine reiche Formenlehre und die Diglossie zwischen Hocharabisch und Dialekten mit.
Dazu kommt der Wortschatz. Bei Spanisch erkennst du über Latein und Fremdwörter viele Wörter wieder, bei Koreanisch oder Arabisch fast keine. Jedes Wort muss neu gelernt werden. Das verlangsamt nicht nur das Vokabellernen, sondern auch das Lesen und Hören, weil du weniger aus dem Zusammenhang erschließen kannst.
Die Kategorie IV im Überblick
Mandarin ist die Sprache mit den meisten Muttersprachlern weltweit. Vier Töne und ein neutraler Ton unterscheiden Bedeutungen, die Grammatik kennt dagegen keine Beugung. Die amtliche Liste der 2.500 häufig gebrauchten Zeichen deckt den Großteil moderner Texte ab. Kantonesisch hat sechs Töne, ist mit Mandarin gesprochen nicht verständlich und wird formell meist in Langzeichen geschrieben.
Japanisch ist für Deutschsprachige gut auszusprechen, aber die Schrift und die Höflichkeitssprache machen es anspruchsvoll. Koreanisch hat mit Hangeul ein Alphabet, das man an einem Wochenende lernt, dafür eine komplexe Verbmorphologie und Höflichkeitsstufen. Arabisch verlangt neben der Schrift die Entscheidung zwischen Hocharabisch und einem Dialekt, idealerweise beides. Unser Modell rechnet für alle fünf Sprachen mit rund 1.610 Stunden bis B2 und 2.200 Stunden bis C1.
Anspruchsvoll, aber nicht ganz oben
Neben der Kategorie IV gibt es eine große Gruppe von Sprachen, die das FSI als „hard languages“ in Kategorie III einordnet, mit etwa 1.100 Stunden. Dazu gehören Russisch, Polnisch, Tschechisch und die anderen slawischen Sprachen, Finnisch, Estnisch und Ungarisch, Türkisch, Griechisch, Hindi, Thai, Vietnamesisch und viele mehr.
Für Deutschsprachige gibt es hier interessante Verschiebungen. Slawische Sprachen mit sechs oder sieben Fällen wirken auf Englischsprachige sehr fremd, Deutschsprachige kennen das Prinzip der Fälle aber bereits. Unser Modell setzt dafür einen kleinen Abschlag an. Finnisch und Ungarisch haben zwar viele Fälle, aber eine sehr regelmäßige Aussprache, und die Laute ä, ö und ü sind uns vertraut. Thai und Vietnamesisch sind Tonsprachen, was für Deutschsprachige eine besondere Hürde bleibt.
Die Strategie: in Etappen denken
Bei einer Sprache mit 2.200 Stunden bis C1 ist der Weg lang, und es wäre frustrierend, nur auf das Endziel zu schauen. Bewährt hat sich, in Etappen zu denken, die jeweils für sich einen Wert haben. Die erste Etappe bei Japanisch könnte sein, Hiragana und Katakana zu beherrschen und sich vorzustellen. Die zweite, einfache Gespräche im Urlaub zu führen. Die dritte, eine einfache Manga-Reihe zu lesen.
Solche Etappen haben zwei Vorteile. Sie machen Fortschritte sichtbar, auch wenn das große Ziel noch Jahre entfernt ist. Und sie zwingen dich, früh mit echter Sprache zu arbeiten, statt nur Lehrbuchlektionen abzuarbeiten. Formuliere jede Etappe als konkrete Handlung, die du überprüfen kannst, und plane mit unserem Lernzeit-Rechner, wann du sie bei deinem Tempo erreichen kannst. A2 in Japanisch bedeutet nach unserem Modell rund 560 Stunden, bei fünf Stunden pro Woche also etwa zwei Jahre.
Schrift und Wortschatz mit System
Bei Sprachen mit eigener Schrift ist ein Wiederholungssystem unverzichtbar. Kanji, Hanzi oder arabische Buchstabenformen lernst du nicht nebenbei, sondern mit täglicher, verteilter Wiederholung. Spaced-Repetition-Programme zeigen dir jede Karte genau dann, wenn du sie zu vergessen drohst. Wichtig ist, Zeichen nicht isoliert zu lernen, sondern in häufigen Wörtern und mit Beispielsätzen.
Für den Wortschatz gilt dasselbe. Weil du keine Wörter aus Verwandtschaft erschließen kannst, brauchst du mehr Wiederholungen pro Wort. Plane deshalb von Anfang an tägliche Vokabelzeit ein, auch wenn es nur 15 bis 20 Minuten sind. Unser Spaced-Repetition-Planer zeigt dir, wie viele Wiederholungen bei deinem Tempo anfallen, damit du die Last nicht unterschätzt. Wer jeden Tag 15 neue Karten lernt, hat nach einem Monat etwa 70 bis 80 Wiederholungen täglich und nach drei Monaten deutlich über 100.
Was Deutschsprachige bei schweren Sprachen mitbringen
Auch bei sehr fremden Sprachen fangen Deutschsprachige nicht ganz von vorn an. Wer mit vier Fällen und drei Geschlechtern aufgewachsen ist, hat ein Gespür für grammatische Kategorien, das bei Russisch, Polnisch oder Georgisch hilft. Die Laute ä, ö und ü erleichtern die Aussprache von Finnisch, Ungarisch und Türkisch. Viele Deutschsprachige haben Erfahrung mit dem Lernen von Englisch und vielleicht Französisch oder Latein und wissen, welche Methoden bei ihnen funktionieren.
Auch Lehnwörter helfen gelegentlich. Japanisch hat einige Wörter aus dem Deutschen übernommen, etwa arubaito für Nebenjob, Estnisch und Lettisch enthalten zahlreiche deutsche Lehnwörter, und in vielen Sprachen gibt es internationale Begriffe aus Wissenschaft und Technik. Das ändert nichts an der Gesamtschwierigkeit, schafft aber kleine Inseln des Wiedererkennens. Wichtiger als solche Vorteile ist allerdings die Haltung. Wer eine schwere Sprache als langfristiges Projekt begreift, Etappen feiert und regelmäßig lernt, kommt weiter als jemand mit großem Talent, der nach wenigen Monaten aufgibt. Die Lernstunden bis zu einem bestimmten Niveau sind hoch, aber sie lassen sich planen. Und jede Stunde bringt dich einer Sprache näher, die dir Zugang zu Menschen, Literatur und Kulturen eröffnet, die vielen anderen verschlossen bleiben.
Motivation über Jahre
Die größte Gefahr bei schweren Sprachen ist nicht die Grammatik, sondern das Aufgeben. Viele starten begeistert und verlieren nach einigen Monaten den Schwung, weil die Fortschritte im Verhältnis zum Aufwand klein wirken. Hilfreich ist, die Sprache mit etwas zu verbinden, das dir unabhängig vom Lernen Freude macht: Filme, Musik, Kochen, Videospiele, Literatur oder Menschen.
Außerdem lohnt es sich, Gemeinschaft zu suchen. Ein Tandempartner, ein Kurs an der Volkshochschule oder eine Lerngruppe online machen das Lernen verbindlicher. Und schließlich: Erlaube dir Phasen mit weniger Zeit, ohne ganz aufzuhören. Zehn Minuten Wiederholung am Tag halten den Wortschatz am Leben, bis du wieder mehr investieren kannst. Wer eine schwere Sprache über Jahre konsequent lernt, wird mit einem Zugang zu einer Welt belohnt, die vielen verschlossen bleibt.
Häufige Fragen
Welche Sprache ist für Deutsche am schwersten?
Nach den FSI-Werten gehören Arabisch, Mandarin, Kantonesisch, Japanisch und Koreanisch zu den schwersten. Unser Modell rechnet für sie mit rund 1.610 Stunden bis B2.
Ist Chinesisch oder Japanisch schwerer?
Beide stehen in derselben FSI-Kategorie. Chinesisch hat Töne, aber eine einfache Grammatik; Japanisch ist leichter auszusprechen, hat aber drei Schriften und eine komplexere Grammatik. Welche schwerer wirkt, hängt von deinen Stärken ab.
Ist Russisch schwer für Deutsche?
Russisch ist anspruchsvoll, aber nicht in der höchsten Kategorie. Deutschsprachige kennen das Prinzip der Fälle bereits. Unser Modell rechnet mit rund 760 Stunden bis B2.
Kann man eine schwere Sprache nebenbei lernen?
Ja, wenn du realistische Etappen planst. Mit fünf Stunden pro Woche erreichst du in Japanisch oder Arabisch nach etwa einem Jahr ein solides A1 und kannst einfache Alltagssituationen meistern; A2 folgt im zweiten Jahr.
Wie lange braucht man für Arabisch bis B1?
Unser Modell rechnet mit rund 1.100 Stunden ab null. Bei fünf Stunden pro Woche sind das gut vier Jahre, bei zehn Stunden gut zwei Jahre.
Ist Koreanisch leichter als Japanisch?
Die Schrift ist beim Koreanischen deutlich schneller gelernt, die Grammatik ist ähnlich anspruchsvoll. Insgesamt stehen beide in derselben FSI-Kategorie mit 2.200 Stunden bis zur professionellen Beherrschung.
Quellen
Wie wir Lernzeiten und Wortschatzwerte berechnen, erklären wir unter Quellen und Methodik.
Redaktion
Dieser Beitrag wurde von der Redaktion Fliessend.net recherchiert. Wir nennen Zahlen nur mit Quelle, kennzeichnen eigene Einschätzungen und korrigieren Fehler sichtbar. Hinweise gern über Kontakt.