Lexikon zum Sprachenlernen
Von Abugida bis Wortstellung: Begriffe aus Sprachwissenschaft und Lernmethodik, kurz und verständlich erklärt.

A
Ein Abjad ist eine Schrift, in der vor allem Konsonanten geschrieben werden, während kurze Vokale meist fehlen.
Eine Abugida ist eine Silben-Alphabetschrift, in der jedes Grundzeichen einen Konsonanten mit einem inhärenten Vokal darstellt, der durch Zusatzzeichen verändert wird.
Agglutinierende Sprachen bilden Wortformen, indem sie mehrere klar abgrenzbare Endungen nacheinander an einen Stamm hängen.
Der aktive Wortschatz umfasst die Wörter, die du selbst beim Sprechen und Schreiben abrufen und korrekt verwenden kannst.
Ein Alphabet ist eine Schrift, in der Zeichen einzelne Laute darstellen, und zwar Konsonanten wie Vokale.
Bei Anlautmutationen verändert sich der erste Laut eines Wortes je nach grammatischer Umgebung, typisch für die keltischen Sprachen.
Artikel sind Begleiter des Substantivs, die etwa Bestimmtheit, Geschlecht und Fall anzeigen; viele Sprachen haben keine.
B
Die Behaltensquote gibt an, welcher Anteil gelernter Inhalte nach einer bestimmten Zeit noch abrufbar ist.
C
Ein Chunk ist eine mehrteilige Wendung, die als Ganzes gelernt und abgerufen wird, etwa „Wie geht's?“ oder „Ich hätte gern …“.
D
Deklination ist die Beugung von Substantiven, Adjektiven, Artikeln und Pronomen nach Fall, Zahl und Geschlecht.
Ein Dialekt ist eine regionale Form einer Sprache mit eigenen Merkmalen in Aussprache, Wortschatz und Grammatik.
Diglossie bedeutet, dass in einer Gesellschaft zwei Formen einer Sprache für unterschiedliche Bereiche verwendet werden, etwa Hochsprache und Dialekt.
E
Ein Einstufungstest ermittelt dein aktuelles Sprachniveau, meist als GER-Stufe, etwa vor Kursbeginn oder für eine Bewerbung.
In Ergativsprachen wird das Subjekt eines transitiven Verbs anders markiert als das Subjekt eines intransitiven Verbs.
Extensives Lesen bedeutet, viele leichte Texte zum Vergnügen zu lesen, ohne jedes Wort nachzuschlagen.
F
Das Foreign Service Institute des US-Außenministeriums teilt Sprachen in vier Kategorien nach dem Lernaufwand für englische Muttersprachler ein.
Falsche Freunde sind Wörter, die in zwei Sprachen ähnlich aussehen oder klingen, aber Verschiedenes bedeuten.
Flexion ist die Veränderung von Wörtern, um grammatische Merkmale wie Fall, Zahl, Person oder Zeit auszudrücken.
Fossilisierung bezeichnet Fehler, die sich so verfestigt haben, dass sie trotz weiteren Lernens dauerhaft bestehen bleiben.
G
Der GER ist ein vom Europarat entwickeltes Raster, das Sprachkenntnisse in sechs Stufen von A1 bis C2 beschreibt, unabhängig von der Sprache.
Das Genus ist eine grammatische Einteilung von Substantiven in Klassen wie maskulin, feminin und neutral, die sich auf Artikel und Endungen auswirkt.
I
Die ILR-Skala der US-Behörden bewertet Sprachkenntnisse in den Stufen 0 bis 5, wobei 3 professionelle und 5 muttersprachliche Kompetenz bedeutet.
Das IPA ist ein System von Lautschriftzeichen, mit dem sich die Aussprache jeder Sprache eindeutig notieren lässt.
Immersion heißt, möglichst vollständig in eine Sprache einzutauchen, etwa durch einen Auslandsaufenthalt oder Unterricht, der ganz in der Zielsprache stattfindet.
Die indogermanischen (indoeuropäischen) Sprachen sind die größte Sprachfamilie nach Sprecherzahl; zu ihnen gehören Deutsch, Englisch, Spanisch, Russisch und Hindi.
Interferenz ist der Einfluss einer bereits beherrschten Sprache auf eine neu gelernte, sichtbar etwa an typischen Fehlern.
Intonation ist die Satzmelodie, also der Verlauf der Tonhöhe über einen ganzen Satz.
Isolierende Sprachen verändern ihre Wörter kaum; grammatische Beziehungen entstehen durch Wortstellung und eigenständige Hilfswörter.
Eine isolierte Sprache ist eine Sprache, für die keine Verwandtschaft mit einer anderen lebenden Sprache nachgewiesen ist.
K
Eine Kann-Beschreibung formuliert positiv, was Lernende auf einer bestimmten Stufe mit der Sprache tun können.
Eine Karteikarte trägt auf der Vorderseite eine Frage, etwa ein Wort, und auf der Rückseite die Antwort, etwa die Übersetzung.
Ein Kasus ist eine grammatische Form, die anzeigt, welche Rolle ein Wort im Satz spielt, etwa Subjekt, Objekt oder Ort.
Kognaten sind Wörter in verschiedenen Sprachen, die auf denselben Ursprung zurückgehen und deshalb ähnlich aussehen oder klingen.
Eine Kollokation ist eine typische, häufige Wortverbindung, die Muttersprachler bevorzugen, etwa eine Entscheidung treffen statt machen.
Konjugation ist die Beugung von Verben nach Person, Zahl, Zeit, Modus und gegebenenfalls Aspekt.
L
Ein Lehnwort ist ein Wort, das aus einer anderen Sprache übernommen und an die eigene Sprache angepasst wurde.
Das Leitner-System ist ein Karteikasten mit mehreren Fächern, in denen Karten je nach Lernerfolg seltener oder häufiger wiederholt werden.
Ein Lemma ist die Grundform eines Wortes, unter der es im Wörterbuch steht, etwa gehen für geht, ging und gegangen.
Die Lerndauer beschreibt, wie viel Zeit man braucht, um in einer Sprache ein bestimmtes Niveau zu erreichen, gemessen in Lernstunden.
Eine Lingua franca ist eine Verkehrssprache, mit der sich Menschen unterschiedlicher Muttersprachen verständigen.
In einer logografischen Schrift stehen Zeichen für Wörter oder Bedeutungseinheiten statt für einzelne Laute.
M
Ein Minimalpaar sind zwei Wörter, die sich nur in einem einzigen Laut unterscheiden und dadurch verschiedene Bedeutungen haben.
Die Muttersprache (L1) erwirbt man als Kind; eine Zweitsprache lernt man im Land, in dem sie gesprochen wird; eine Fremdsprache lernt man außerhalb davon.
N
Nominalklassen teilen Substantive in mehrere Gruppen ein, die sich an Präfixen von Adjektiven und Verben zeigen, typisch für Bantusprachen.
O
Output bezeichnet die eigene Sprachproduktion beim Sprechen und Schreiben, im Unterschied zum Input durch Hören und Lesen.
P
Der passive Wortschatz umfasst alle Wörter, die du beim Lesen oder Hören verstehst, auch wenn du sie selbst nicht verwendest.
Eine Plansprache ist eine bewusst entworfene Sprache, die meist die internationale Verständigung erleichtern soll.
Als Plateau bezeichnet man eine Phase, in der Fortschritte trotz Lernens kaum noch spürbar sind, typischerweise auf der Mittelstufe.
R
Romanisierung bezeichnet Systeme, die Sprachen mit anderer Schrift in lateinischen Buchstaben wiedergeben.
S
SM-2 ist ein Algorithmus zur Berechnung von Wiederholungsabständen, den Piotr Woźniak Ende der 1980er-Jahre für das Programm SuperMemo entwickelte.
Beim Shadowing sprichst du eine Aufnahme zeitgleich oder mit minimaler Verzögerung nach, um Aussprache, Rhythmus und Satzmelodie zu trainieren.
In einer Silbenschrift steht jedes Zeichen für eine ganze Silbe, etwa ka, ki oder ku.
Spaced Repetition ist eine Lernmethode, bei der Inhalte in wachsenden Abständen wiederholt werden, jeweils kurz bevor man sie vergessen würde.
Ein Sprachaufenthalt ist eine Reise in ein Land der Zielsprache mit dem Ziel, die Sprache zu lernen, oft kombiniert mit Kurs und Gastfamilie.
Eine Sprachfamilie ist eine Gruppe von Sprachen, die nachweislich auf eine gemeinsame Ursprache zurückgehen.
Beim Sprachtandem lernen zwei Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen gegenseitig voneinander, meist im Wechsel der Sprachen.
Ein Sprachzertifikat ist ein offizieller Nachweis über Sprachkenntnisse auf einem bestimmten Niveau, meist nach dem GER.
T
In einer Tonsprache unterscheidet die Tonhöhe oder der Tonverlauf einer Silbe die Bedeutung von Wörtern.
Transliteration ist die buchstabengetreue Übertragung einer Schrift in eine andere, sodass sie sich zurückübertragen lässt.
V
Der Verbalaspekt drückt aus, ob eine Handlung als abgeschlossen oder als Verlauf betrachtet wird.
Bei der Verbzweitstellung steht das konjugierte Verb im Hauptsatz immer an zweiter Stelle, egal welches Satzglied am Anfang steht.
Die Vergessenskurve beschreibt, wie schnell Gelerntes ohne Wiederholung verloren geht; sie geht auf Versuche von Hermann Ebbinghaus aus dem Jahr 1885 zurück.
Verständlicher Input meint Sprachmaterial, das man weitgehend versteht, das aber etwas über dem eigenen Niveau liegt.
Vokalharmonie ist eine Regel, nach der die Vokale in einem Wort zueinander passen müssen, was die Form von Endungen bestimmt.
W
Die Wortstellung beschreibt die übliche Reihenfolge von Subjekt (S), Verb (V) und Objekt (O) im Satz.
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